|
|
Seit dem am 1.1.05 Hartz IV eingeführt worden ist, wird darüber
gerätselt,
- welche sozialen und sozialpolitischen Auswirkungen
diese Umstellung mit sich gebracht hat,
- wie die demographische und die Haushalts-Struktur der
Betroffenen aussieht,
- wie die Einkommensverhältnisse und die Einkommensentwicklung
gegenüber dem letzten Jahr beschaffen ist,
- wie sind die Wohnverhältnisse allgemein und in
bezug auf die zukünftige Regelung des angemessenen Wohnbedarfs
- welche Auswirkungen auf die Stadtteile zu erwarten sind.
Im Rahmen der Erhebungen zur Fortschreibung der Milieuschutzsatzungen
in drei Kreuzberger Erhaltungsverordnungsgebieten (Luisenstadt –
SO 36, Graefekiez, Bergmannstraße-Nord) sind – wie üblich
– auch die Erwerbslagen der Bewohner (einzeln und in bezug auf den
Haushalt) erfasst worden.Da insgesamt 2.315 Fragebögen vorliegen,
sind Auswertungen hinsichtlich der Hartz IV-Empfänger mög-lich
und aussagekräftig. Die drei Gebiete zusammengenommen repräsentieren
recht gut den Altbezirk Kreuzberg. Damit ist es möglich, die oben
genannten Fragen für Kreuzberg umfassend und genau zu beantworten.
1.1. Zusammenfassende Thesen zu Hartz IV in Kreuzberg
1.1.1. Umfang des Bezugs von Hartz IV-Leistungen
- Ca. 10% aller Personen im Erwerbsalter (über 15 bis unter 65 Jahre)
sind Hartz IV-Empfänger.
- 12% aller Haushalte erhalten Hartz IV-Leistungen
- 8% aller Haushalte sind als Erwerbstyp Hartz IV eingestuft , d.h. Hartz
IV ist ihre einzige bzw. wichtigste Einkommensquelle.
- Drei Viertel der Empfänger haben vorher Arbeitslosenhilfe/-geld
und ein Viertel Sozialhilfe erhalten.
1.1.2. Altersstruktur
- In den Hartz IV-Haushalten leben überdurchschnittlich viele Kinder
und Jugendliche. (25 statt 18% ohne Alte)
1.1.3. Haushaltstypen
- Haushalte mit Kindern sind mit 39% (gegenüber 22% in der Gebietsbevölkerung
) weit überdurchschnittlich häufig betroffen.
- Alleinerziehende sind fast doppelt so häufig vertreten wie in der
Grundgesamtheit.
- Die durchschnittliche Haushaltgröße ist mit 2,28 erheblich
höher als der Gebietsdurchschnitt (1,9). Damit sind überdurchschnittlich
große Haushalte vertreten.
1.1.4. Nationalität
- Wie auch von der Arbeitslosigkeit allgemein, so sind die deutschen Haushalte
auch von Hartz IV unterdurchschnittlich betroffen.
1.1.5. Einkommensverhältnisse und -entwicklung
- Ein Hartz-Haushalt ist nach der geltenden Definition arm .
- Gut die Hälfte der Hartz-Haushalte geben an, dass sich ihre Einkommenssituation
gegenüber dem letzten Jahr verschlechtert hat. Ein knappes Drittel
sieht keine Veränderung
- Nur 14% haben ein besseres Einkommen als voriges Jahr.
1.1.6. Wohnverhältnisse
- Die Wohnverhältnisse der Hartz IV-Empfänger liegen hinsichtlich
der Ausstattungsqualität etwas unter dem Gebietsdurchschnitt.
- Sie verfügen über weniger Wohnfläche und zahlen etwas
weniger Miete pro Quadratmeter.
- Die Wohndauer in der Wohnung und im Wohngebiet liegen etwas über
dem Durchschnitt.
1.1.7. 'Angemessener Wohnraum' und Umzugsnotwendigkeit
- Ca ein Drittel der Hartz IV-Haushalte zahlt Mieten, die über den
von der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales festgelegten
Höchstgrenzen für einen 'angemessenen Wohnraum’ liegen.
- Nur ein Teil dieser Haushalte (ca. 40%) hat dabei eine überdurchschnittlich
große Wohnung angemietet.
- Insgesamt ist der Wohnflächenkonsum derjenigen, die über der
Grenze liegen, leicht unter dem Kreuzberger Durchschnitt. Die Ausstattungsqualität
und der Mietpreis entspricht dem Durchschnitt. Offensichtlicht bewahrt
nur unterdurchschnittlicher Wohnkonsum oder das Glück einer besonders
günstigen Miete Hartz-Haushalte vor der Notwendigkeit, demnächst
ihre Wohnung verlassen zu müssen.
- Bei einer strengen Anwendung dieser Grenzen müssten in Kreuzberg
bis zu einem Drittel der Hartz IV-Haushalte umziehen.
- Bei einer Hochrechnung auf ganz Berlin bedeutet dieser Anteil von einem
Drittel, dass 50.000 bis 70.000 Haushalte von dieser Regelung betroffen
wären und gegebenenfalls umziehen müssten.
1.2. Fazit
• Die Einführung von Hartz IV hat für die meisten betroffenen
Haushalte zu einer Verschlechterung der Einkommenslage geführt.
• Negativ fallen der hohe Anteil der betroffenen Haushalte und darunter
der hohe Anteil der Haushalte mit Kindern auf. Ebenfalls negativ ist der
hohe Anteil der der armen Haushalte.
• Trotz eines sparsamen Wohnkonsums werden ein Viertel bis ein Drittel
der Hartz IV-Haushalte in Kreuzberg ihre Wohnung verlassen müssen,
wenn die jetzt festgelegten Höchstmieten angewandt werden. Damit
ist der Umfang der Umzüge, die durch Hartz ausgelöste werden
können, bei weitem höher als bisher von der Senatsverwaltung
angenommen.
• Die Umstellung auf Hartz hat zu einer weiteren Kaufkraftminderung
im Bezirk geführt. Es ist zu befürchten, dass dies zu Betriebsschließungen
im Handels- und Dienstleistungsgewerbe führen wird.
|